Kinderleere Spielplätze und Menschen in Uniform

Zukunftsvorstellungen von Kindern und Jugendlichen im Kulturvergleich – Ausstellung und Tagung an der Europa-Universität Flensburg

"Wie stellst du dir dein Leben als Erwachsener vor?" Diese Frage stellt ein internationales Forscherteam um die Europa-Universität Flensburg und die University of Education in Winneba, Ghana, seit September 2014 deutschen, ghanaischen und dänischen Kindern und Jugendlichen zwischen 6 – 18 Jahren. In diesem weltweit einzigartigen Ländervergleich waren Kinder und Jugendliche eingeladen, ihre Antworten visuell zu gestalten, sie sollten sie zeichnen oder fotografieren.

Zukunftsvorstellungen von Kindern

Über Zukunftsvorstellungen

Diese einfache Aufgabe hat es in sich: Zum einen sind Konstruktion der eigenen Zukunft und Projektion der eigenen Person stark kulturabhängige Prozesse. Zum anderen verraten die abgebildeten Zukunftsvorstellungen viel darüber, wie Kinder und Jugendliche gegenwärtig leben, sie sind so etwas wie in die Zukunft projizierte Gegenwart. Daher lässt sich über die Frage nach der Zukunft Aufschluss gewinnen über die Verortung der Kinder im Hier und Jetzt ihrer jeweiligen Kultur. Von entscheidender Bedeutung dabei ist, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Antworten visuell gestalten. In den Fotos und Zeichnungen drücken sie durch die Wahl ihrer Perspektive und die Art, wie sie die gewählten Motive bilden, ihre Position in dem sie umgebenden sozialen und kulturellen Raum aus. Der bildnerische Ausdruck bietet deshalb einen privilegierten Zugang zu den aktuellen, zumeist nicht bewussten Selbstentwürfen von Kindern und Jugendlichen in Ghana, Deutschland und Dänemark.

Kulturelle Unterschiede

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsprojektes "Zukunftsvorstellungen von Kindern und Jugendlichen im interkulturellen Vergleich" interessieren sich deshalb weniger dafür, was auf den Zeichnungen und Fotos abgebildet ist, sondern stärker dafür, wie es gestaltet ist. Denn aus der Analyse des "Wie" lassen sich weitreichende Rückschlüsse auf kulturelle Unterschiede in Selbst- und Identitätsentwicklung der Kinder und Jugendlichen ziehen. Ghanaische Kinder beispielsweise fotografieren mehrheitlich die sie umgebende Umwelt und arrangieren kaum etwas. Deutsche Kinder fotografieren von Innenräumen aus und lichten kaum Menschen ab, selbst Spielplätze erscheinen kinderleer.

In den Zeichnungen konzentrieren sich ghanaische Kinder auf die berufliche Zukunft und zeichnen oft eine Figur, die detailliert mit den Insignien eines Berufsstandes ausgestattet ist. Die berufliche Zukunft, die mit Status, Macht und Einkommen verknüpft wird, nimmt in Ghana, so eine erste Hypothese, einen deutlich höheren Stellenwert ein als in Deutschland und Dänemark, wo Jugendliche sich mehr Raum zum Ausprobieren nehmen können, um dann jedoch unter der Unsicherheit zu leiden, sich im Hinblick auf Selbstverwirklichung und Lebensglück "richtig" entscheiden zu müssen.

Die Arbeit mit visuellen Daten in der Kindheits- und Jugendforschung ist ein junges Feld. Der internationale und interdisziplinäre Ansatz des Projekts "Zukunftsvorstellungen von Kindern und Jugendlichen im interkulturellen Vergleich" hat einzigartiges Material erhoben. In Flensburg wird es in der Ausstellung "Zukunft im Bild. Jetzt" erstmals öffentlich zugänglich gemacht. In der internationalen Tagung der Europa-Universität Flensburg und der University of Education in Winneba "Images of childhood and future: Cross-cultural perspectives" wird dieses Material ästhetisch und wissenschaftlich analysiert und diskutiert.